Grundlagen und Ziele evidenzbasierter Wirtschaftspolitik

Grundlagen und Ziele evidenzbasierter Wirtschaftspolitik

Grundlage einer evidenzbasierten Wirtschaftspolitik ist es, dass kausale Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge einer Maßnahme empirisch gemessen werden. Um zu ermitteln, wie sich eine Maßnahme auswirkt, muss man insbesondere einschätzen, was ohne diese Maßnahme passiert wäre.

Ein generelles Problem solcher Wirkungsanalysen ist jedoch, dass nach Einführung einer Maßnahme die sogenannte kontrafaktische Situation nicht beobachtbar ist. Es kann nicht beobachtet werden, wie sich die von einer Maßnahme Betroffenen verhalten hätten und wie es ihnen ergangen wäre, wenn es die Maßnahme nicht gegeben hätte. Dadurch können weitere, unbeobachtete Faktoren auf das Resultat einwirken, was die kausale Interpretation eines einfachen Vorher-Nachher-Vergleichs unmöglich macht. 

Eine Lösung sind Kontrollgruppenanalysen: Durch die geeignete Wahl einer Kontrollgruppe wird ein Kontrafaktum simuliert.  Je nach Untersuchungsgegenstand und Datenlage können unterschiedliche Herangehensweisen angemessen und zielführend sein. 

Im Bereich der Medizin wird häufig auf randomisierte Experimente zurückgegriffen: Eine zufällig ausgewählte Personengruppe erhält eine Behandlung (beispielsweise durch die Einnahme eines Medikamentes), während eine andere zufällig ausgewählte Gruppe keine Behandlung erhält („Kontrollgruppe“).  Beide Gruppen werden vor und nach der Behandlung beobachtet – der kausale Effekt der Behandlung entspricht dem Unterschied zwischen den Gruppen.

Randomisierte Experimente sind in den Wirtschaftswissenschaften auch möglich, sie können allerdings methodische, finanzielle oder ethische Probleme mit sich bringen. Daher wurde eine Vielzahl von statistischen Methoden entwickelt, mit deren Hilfe kausale Effekte auch ohne Experimente untersucht werden können. Dabei wird häufig von „quasi-experimentellen Methoden“ gesprochen, da die Experimentsituation durch statistische Werkzeuge nachgestellt wird. 

Mit beiden Methoden lassen sich die Effektivität und die Effizienz wirtschaftspolitischer Maßnahmen beurteilen.
 

Evidenzbasierte Wirtschaftspolitik Evaluationskonzepte