Trauer um Prof. Dr. Horst Entorf

Trauer um Prof. Dr. Horst Entorf

 

Horst Entorf: Ein kreativer Vertreter der Angewandten Ökonometrie

Der Verein für Socialpolitik trauert um Prof. Dr. Horst Entorf, Professor für Ökonometrie am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt.

 

Nachruf

Prof. Dr. Horst Entorf

 

Horst Entorf war langjähriges, engagiertes Mitglied des Vereins für Socialpolitik und von 2013 bis 2017 Vorsitzender des ökonometrischen Ausschusses. Die enge Beziehung zum Verein für Socialpolitik ergab sich bereits am Anfang seiner wissenschaftlichen Laufbahn, als Entorf in Mannheim Assistent von Heinz König wurde, seinerzeit einer der führenden deutschen Ökonometriker und Vorsitzender des Vereins in den Jahren 1991 bis 1995. Als Schüler von Heinz König war Entorf ein idealtypischer Vertreter der angewandten Ökonometrie, einer damals recht neuen Teildisziplin, deren Vertreter versuchten, relevante wirtschafts- und gesellschaftspolitische Fragen mit Hilfe von modernsten  ökonometrischen Methoden, aber doch theoriebasiert zu beantworten.

Entorfs wissenschaftliches Oeuvre als angewandter Ökonometriker war durch eine außergewöhnliche Breite der verwendeten mikro- und makroökonometrischen Methoden gekennzeichnet. Zu Beginn seiner Karriere standen mit seiner Dissertationschrift „Multisektorale Konjunkturanalyse: Theorie, Empirie und Frühindikatoren realer Konjunkturzyklen“ und seiner Habilitationsschrift „Mismatch Explanations of European Unemployment: A Critical Evaluation“ zunächst makrökonometrische Fragestellungen im Vordergrund seines Forschungsinteresses. Aber bereits früh, als junger Professor an der Universität Würzburg und der TU Darmstadt, widmete er sich wichtigen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen. Hierzu zählen seine arbeitsmarkt- und industrieökonomischen Arbeiten zum Einfluss des technischen Fortschritts auf Löhne und Beschäftigung (z.B. Entorf & Kramarz, EER (1997) sowie Entorf, Gollac & Kramarz, JoLE (1999)) sowie seine Arbeiten über den Einfluss der Einwanderungspolitik auf die schulischen Leistungen (Entorf & Miniou, GER (2005) ).

Horst Entorfs Markenzeichen als gesellschaftspolitisch interessierter Ökonometriker waren jedoch seine Pionierarbeiten über Kriminalität und Ökonomie (u.a. Entorf & Spengler, International Review of Law and Economics (2000), Entorf & Spengler, Crime in Europe: Causes and Consequences, Springer Verlag, 2002), die ihn auch als interdisziplinär arbeitenden Wirtschaftswissenschaftler auswiesen.

Professor Horst Entorf war ein Vertreter unserer Disziplin, dessen Arbeiten das Gründungsideal des Vereins, sich aus wissenschaftlicher Perspektive an der Diskussion gesellschaftspolitischer Fragen zu beteiligen, widerspiegeln. Mit ihm verliert der Verein für Socialpolitik einen kreativen, engagierten, hochqualifizierten und zuverlässigen Kollegen, Hochschullehrer und Politikberater.

 

Prof. Dr.Winfried Pohlmeier, Mitglied des Ausschusses für Ökonometrie