Fragen und Antworten

Fragen und Antworten

 

Auf dieser Seite werde ich anonymisiert und editiert (und mit dem Einverständnis des Fragenden) Fragen und Antworten veröffentlichen, die aus Emailkonversationen entstanden sind. Ich lade alle Nachwuchswissenschaftler ein, mir ihre Fragen zu emailen.

 

Empfehlungsschreiben

Q: Wie schreibt man Letters of Recommendation für den US Markt und wie unterscheiden sich diese gegebenenfalls von der deutschen Tradition?

 

A: Zunächst einmal sollte man festhalten, dass es die eine Weise, den einen Stil natürlich auch in den USA nicht gibt und Heterogeneität groß ist bei starken persönlichen fixen Effekten. Mit ein paar Punkten kann man jedoch kaum falsch liegen: 1) Ich habe oft erlebt, dass Deutsche zu kurze Letters schreiben und sich nicht genügend inhaltlich mit einzelnen Papieren oder zumindest dem Jobmarktpapier intellektuell auseinandersetzen. Hier gilt: je konkreter und spezifischer der Beitrag eines Artikels herausgearbeitet wird, desto besser. In diesem Teil kann man auch ruhig mal eine Schwäche des Papieres diskutieren. 2) Ansonsten ist Negativität oder auch nur ein zu sachlicher Ton (den deutsche Intellektuelle oft bevorzugen) eher schädlich - es geht schon darum, einen Kandidaten auch zu "verkaufen". Dabei soll man natürlich nicht lügen, aber man sollte auch schon von dem "Produkt" überzeugt sein. In Amerika löst man das Problem oft dadurch, dass man dem Kandidaten sagt, dass man sich nur unterhalb eines bestimmten Ranges bewerben soll, so dass dann der Letter auch enthusiastisch sein kann. Oder man wendet mögliche Schwächen ins Positive: etwa wenn ein Kandidat eher schüchtern ist, aber ein guter Denker, dann kann man das auch so sagen. 3) Ich finde bottom line Empfehlungen am Anfang, die dann im Letter expliziert werden, hilfreich. 4) Wenn man die Möglichkeit hat, einen Kandidaten und sein Werk mit einem anderen Kandidaten und dessen Werk aus früheren Jahren begründet zu vergleichen - ein großes Plus. Es gibt sicherlich mehr...

 

Tenure Track in Germany

Q: What does a tenure track offer mean in Germany?

 

A: This is an important question, especially for people who want to move from outside of Germany into the German system. The short answer is: it can mean pretty much anything, and the real answer is that it depends on the Bundesland of the university and even the university itself. But before I explain that, let's recap what tenure track in the U.S. means: an assistant professor on tenure track (in some cases there are also associate professors still untenured, but on tenure track) has a fully budgeted professorial position, budgeted with the expected life time value of the costs associated with that position. That is, this position exists in expectation until retirement when a candidate for an assistant professor accepts it. The tenure decision from assistant to associate and the promotion decision from associate to full are then merely based on merit, and departments hire an assistant professor with the hope and the investment to eventually make him/her a full professor in that department (full well knowing, of course, that there will be attrition).  This means that in most successful U.S. department juniors and young seniors are considered essential for the intellectual life and future of the department, which means that they are selected very carefully in a cruelling hiring process. The German situation is very different. Tenure track can mean anything from: the candidate has the right to apply to a tenured position at the same university when his/her time is up and there happens to be a vacancy (for the non-Germans: this is already an innovation, as traditionally in Germany this was not possible or at least frowned upon); starting out as an assistant professor (W1) or associate professor (W2 - the translations are not quite correct, as the differences are more systemic) without tenure and then get a permanent W2 position upon positive evaluation where the existence of this position down the road is guaranteed upon hiring (starting out as a W1 versus W2 only improves the bargaining power of the candidate in the latter case, because W1 can - by law - only be made essentially take-it-or-leave-it offers); notice that in particular the granting of tenure towards W2 does not necessarily mean that a department is willing to promote a candidate also towards W3 (full professor), should his/her CV warrant that, or in order to react to outside offers. There is often a great reluctance in Germany (for essentially traditional reasons) to promote internally, and this includes the step from W2 to W3. The bottom line is: a candidate needs to inquire about the details and fine print of a tenure track offer in Germany (which can be different from offer to offer even within the same university), and even when a tenure track in the sense of life time employment based on merit is implemented this does not automatically mean that the department/university expects/wants a candidate to be around eventually as a full professor forever. This has obviously consequences for the monetary and non-monetary investment a department is going to make into their juniors and young seniors. Departments also should be worried about adverse selection in such an environment: if promotions from W2 to W3 are not done, then the bad associate professors stay, the good ones leave.

 

 

Forschungsaufenthalt im Ausland

Q: Wie kann man einen Forschungsaufenthalt im Ausland finanzieren?

 

A: Neben den üblichen und wahrscheinlich bekannten Möglichkeiten wie DFG und DAAD habe ich vor kurzem von einem Instrument erfahren, das mir so noch nicht bekannt war, das aber jedenfalls für Nachwuchswissenschaftlter auf Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter gangbar sein kann und eigentlich sehr unkompliziert ist, und zwar das Instrument der Zuweisung. Zuweisung bedeutet, dass der zuständige Lehrstuhlinhaber einen vorrübergehenden Dienstortwechsel an eine andere Dienststelle, eben an eine amerikanische Universität, beantragt, und zwar bei vollen Bezügen. Das ist auch deshalb hilfreich, weil man im Falle der USA damit die Asynchronität der deutschen und amerikanischen Semesterzeiten gut ausnutzen kann. Ich weiss von einem konkreten Fall aus einem bestimmten Bundesland wo das erfolgreich gemacht wurde (die Regelung mag unterschiedlich je nach Bundesland sein). Also, erkundigt euch bei Euren Chefs und Euren Personalabteilungen.

 

Addendum: Es wurde beim DFG Workshop während der Jahrestagung in Augsburg 2016 sehr deutlich gemacht, dass dieses DFG Programm zur Förderung eines Auslandsaufenthalts sehr untergenutzt ist in den Wirtschaftswissenschaften und es gute Förderungschancen gebe.

 

Publikation und Jobmarkt

Q: Lieber Rudi,
[...]
Ich hab eine Frage an Dich: Mir ist bekannt, dass die allermeisten Job Market Candidates in den USA noch keine Publikationen vorweisen, wenn sie sich um Stellen bewerben. Allerdings vermute ich, dass der Name der Uni und der Betreuer, bei denen man promoviert, in den USA schon ein recht starkes Signal für die Qualität des JMP sind. Würdest Du dagegen europäischen Absolventen empfehlen, schon vor dem Job Market Zeit in eine gute Publikation zu investieren, um diese dann als Signal nutzen zu können, wenn der Name der Uni eher wenig Eindruck macht? Der Editor eines Top Field-Journals hat Interesse an einem meiner Papers bekundet, weshalb ich gerade überlege, ob und wie schnell ich die Gelegenheit nutzen sollte.

 

A: Es kommt wie immer auf die Trade Offs an. Hier erst einmal ein paar allgemeine Gedanken:

  1. Also, eine Publikation, noch dazu in einem Top Field Journal, ist immer gut, für jeden JM Kandidaten, das gilt auch in den USA (wenn man jetzt als PhD Student drei Papiere in C-Journalen hat, dann werden Berufungskommissionen schon mal hellhörig an guten Unis). 

  2. Ich würde sogar sagen,  dass auch der Trend in den USA durchaus dahin geht, dass die besseren Kandidaten oft eine Publikation, wenigstens ein R&R haben. Das macht deshalb Sinn, weill Tenure clock Zeiten sich nur schwer verlängern lassen, PhD Zeiten leichter und das alles vor dem Hintergrund immer länger werdender publication lags.

  3. Es kommt jetzt also darauf an: bist du ansonsten fertig für den JM, und könntest nur deshalb nicht gehen, weil du dich um diese zusätzliche Publikation bemühen musst (wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass es so knapp genäht ist) – dann sollte man sich das wahrscheinlich überlegen (obwohl auch dann gilt, dass eine Publikation in Top Field an vielen deutschen Unis schon die volle Professur bedeuten kann später, wenn man noch Filler hat).

  4. Letzter Gedanke: ich kenne deinen konkreten Fall nicht, aber ich kenne ein paar Fälle, wo Editoren Interesse an einem Papier bekunden, einfach um ihre Submissionszahlen und damit Ablehnungzahlen nach oben zu treiben (um selektiver dazustehen), und dann am Ende tatsächlich abgelehnt wurde. Ich will dich also nicht entmutigen, aber den Champagner würde ich noch nicht kalt stellen.

 

Um dir besseren Rat geben zu können, müsste ich ein bisschen mehr zu deinen konkreten Trade-offs wissen. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass die Situation bei deutschen Juniorprofessuren anders sein kann, wo man oft aus angeblich formalen Gründen Publikationen fordern wird. Das dürfte vor allem bei kleineren und weniger international ausgerichteten Fakultäten der Fall sein.

 

Q: Anders gefragt: Könnte es genauso nützlich, oder ggf. noch besser sein, anstelle der Publikation gegen Ende der Promotion auf Einladung ein Semester in den USA zu verbringen, um sich und seine Forschung dort etwas bekannt zu machen?

 

A: Ich sehe wie gesagt den Trade off noch nicht, es sein denn du glaubst das Papier sei Top 5. Aber das ist immer ein sehr riskantes gamble. Du kannst doch in die USA und an dem Papier arbeiten. Das schliesst sich doch nicht aus. Ansonsten gilt: Pub ist Pub, und am Ende macht man sich ja auch nur bekannter, in dem man publiziert, bzw. umgekehrt, man geht in die USA (was ich immer empfehlen würde, wenn man die Gelegenheit hat) ja unter anderem auch, weil man sich durch Kommentare  bessere Papers und damit bessere Pubs erhofft.

 

 

 

 

 

 

 

Falls Sie Hilfe benötigen oder Fragen haben, senden Sie uns eine Nachricht!
2 + 5 =
Lösen Sie diese einfache mathematische Aufgabe und geben das Ergebnis ein. z.B. Geben Sie für 1+3 eine 4 ein.