Ein paar mehr Gedanken zum Häring Artikel im HB

Ein paar mehr Gedanken zum Häring Artikel im HB

 

Ich frage mich wirklich, was der Mann eigentlich will. Aber sei's drum, er muss wissen, was er schreibt. Nur ist das guter Journalismus? Hier mal eine Punkt-für-Punkt Auseinandersetzung:

 


Er schreibt: "Der Nachwuchsbeauftragte des Vereins für Socialpolitik reagiert auf der Website des Ökonomenverbands und über Twitter ungnädig auf die Untersuchung. „Gähn: schon wieder eine Klage über VWL Unterricht von den Pluralen“, kommentiert Bachmann."

 

Warum sagt er dann aber auch nicht dazu, dass ich in dem gleichen Post Zustimmung zu Teilen der Kritik äußere (zu viel Rechnen, zu wenig systemisches Denken; vielleicht zu viel BWL).

 


Er schreibt: "Als kurz darauf der Kasseler Umwelt-und Verhaltensökonomieprofessor Frank Beckenbach in „Der Freitag“ die Kritik der Studenten unterstützt und realitätsferne Modelle und Methoden der tonangebenden Forscher kritisiert, titelt Bachmann auf der VfS-Website: „Wir sind ja so langweilig“, und setzt hinzu: „Immer das gleiche, nachweisbar falsche Gegacker. Muss man alles nicht ernst nehmen. [...] Beckenbach sei wissenschaftlich irrelevant, was man damit belegen könne, dass seine Publikationen kaum zitiert würden: „Keiner liest seine Sachen."

 

Nur vergisst er natürlich auch zu erwähnen, dass das "Wir sind ja so langweilig" ein polemisches Spiel mit der ebenso gemeinten Überschrift in Der Freitag "Wir sind ja so plural" war. Nebenbemerkung: da Überschriften häufig nicht vom Autor des Artikels bestimmt werden (musste ich selbst schmerzlich erfahren), kann ich hierfür Frank Beckenbach nicht unbedingt verantwortlich machen. Verantwortlich ist aber Frank Beckenbach natürlich für das "selbstgefällig" mir gegenüber, was ja keine objektive Kategorie darstellt, sondern einen Schmierversuch. So viel zum Thema "verbale Abrüstung". Aber all das erfährt der Leser von Häring nicht.

Auch der Punkt mit den Zitationen ist völlig aus dem Kontext gerissen. Es ging, wenn man sich das genauer anschaut, um die Frage, ob man "wissenschaftlich irrelevant" besser objektiv messen kann als  "selbstgefällig", und da meine ich: ja. Zitationen sind ein vernünftiges, wenn auch unvollkommenes Maß für wissenschaftliche Relevanz.

 


Weiter schreibt Häring: "Dass Bachmann nicht gut auf Beckenbach zu sprechen ist, könnte damit zu tun haben, dass dieser im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung das Lehrmaterial von 50 deutschen Bachelor-Studiengängen daraufhin untersucht hat, inwiefern darin unterschiedliche Sichtweisen und Methoden vorkommen. Ergebnisse sollen im Mai veröffentlicht werden."


Überhaupt nicht. Das ist völliger Quatsch. Als empirischer Ökonom wehre ich mich fast per Definition nicht gegen mehr und neue Daten. Wogegen man allerdings schon anschreiben muss: die Pluralen haben eine ganz bestimmte Interpretation der Daten in dem Sinne, dass nur ganz bestimmte von Ihnen definierte Fächergruppen (Wirtschafts- und Dogmengeschichte) reflexiv (und irgendwie wertvoll) sind, und z.B. Makroökonomik nicht. Das ist eben sehr subjektiv. Ich kann nur hoffen, dass Beckenbach diesen Fehler bei seinem Gutachten nicht begeht, und wenn doch, dann wird er Pushback bekommen.

 

 

Beckenbach wird wie folgt zitiert: "„Ich hätte mich gefreut, wenn Herr Bachmann sich kritisch mit meinen Argumenten auseinandergesetzt hätte, statt mit meinem Alter oder der Frage, wie stark der Mainstream mein Werk rezipiert“, kommentiert Beckenbach Bachmanns Angriffe lakonisch."


Mit seinen Argumenten wurde sich bereits auseinandergesetzt und sie entsprechen halt einfach nicht der Wahrheit. Ich erwarte von einem Diskutanten in einer wissenschaftlichen Debatte, dass er Argumente nicht einfach stur wiederholt und Fakten richtig widergibt. Man muss auch mal weiterkommen in einer Debatte. Im übrigen habe ich ja bereits gesagt, dass man Dani Rodricks Buch als gutes Maß dafür nehmen kann, was viele im Mainstream denken, mich eingeschlossen. Was Beckenbachs Zitationen angeht, so sehe ich nicht, dass er viel zitiert wird, egal ob das nun innerhalb oder außerhalb des Mainstreams ist. Er scheint einfach nicht gelesen zu werden, was nun einmal ein vernichtendes Urteil für einen Wissenschaftler ist. Ich freue mich darauf, mit anderen Daten meine Einschätzung zu revidieren.

 

 

"Lukas Böhm, ein Student aus dem Netzwerk Plurale Ökonomik, stellt in der „Frankfurt Rundschau“ fest, es gebe keinen Kampf Studierende gegen Lehrende, sondern eine verbohrte Minderheit, die an einer überholten Einseitigkeit in der Wirtschaftswissenschaft festhalte. „Darunter findet sich der Nachwuchsbeauftragte des Vereins für Socialpolitik, der unsere Kritik zum ‚Gähnen‘ findet und gegen plurale Ansätze Stimmung macht.“"


Nein, ich mache keine Stimmung gegen plurale Ansätze, ich lehne sie ab, jedenfalls ganz bestimmte, die hauptsächlich politisch motiviert sind und uns in der Sache nach meinem Dafürhalten und nach dem Dafürhalten vieler anderer smarter Leute nicht weiterbringen.

 


"Frederick Heussner, ein Doktorand und Netzwerkmitglied hofft auf Deeskalation: „Wir fänden es wichtig, von dem verbalen Schlagabtausch und persönlichen Angriffen wegzukommen und endlich dringend benötigte Veränderung voranzubringen“ [...]"


Amen, lassen Sie uns zu einem guten Dialog kommen, was aber nicht geht, wenn man seine Mitdiskutanten als "selbstgefällig" bezeichnet. Ich weiß, das hört sich jetzt wie im Kindergarten an, und eigentlich will ich mich auf diese Ebene gar nicht begeben, aber Häring ist in seiner Berichterstattung einfach unehrlich, wenn er Kontext weglässt. Ähnlich geht es mir mit Andre Kühnlenz, der mir Kindischkeit, Plumbheit und Pöbeleien vorwirft - schön, man kan unterschiedlichen Humor und Geschmack haben (ich würde behaupten, dass er Polemik nicht kann, aber das kann jeder anders sehen), aber er schmiert halt auch nur und argumentiert nicht. Was er natürlich verschweigt: ich hatte ihm über Twitter einen konstruktiven Dialog angeboten mit verbaler Abrüstung, auf den er nie eingegangen ist. Diese Leute sind unehrlich, es geht ihnen nicht um Ökonomik, sondern offensichtlich um eine schnelle Schlagzeile. Freue mich, wenn ich Ihnen dabei helfen kann, eine konstruktive Diskussion wird aber wohl  mit diesen Leuten (Häring und Kühnlenz) nicht stattfinden können.  Ich hoffe immer noch auf einen sachlichen Dialog mit den Studenten, auch mit den Pluralen. Lassen Sie mich wissen wann und wo.

 

Autor: Rüdiger Bachmann (Nachwuchsbeauftragter). Die hier geäußerten Meinungen sind nicht unbedingt die Sicht des Vereins für Socialpolitik.

 

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